Über Schwingungsbewegungen von Systemen mit Zusätzlichen Massen.
Verf. untersucht mit Hilfe der Theorie der linearen Integralgleichungen die Schwingungen (in Form stehender Wellen) eines kontinuierlichen mechanischen Systems \(S\) der konstanten Dichte \(\varrho\) (Platte, Membran), das durch zusätzliche Massen zu einem System \(S'\) erweitert ist derart, daß der Gleichgewichtszustand und die elastischen Eigenschaften von \(S\) unverändert bleiben (die kinetische Energie wird verändert, die potentielle nicht). Dabei überträgt er den Gedanken, den \textit{S.~Gerschgorin} bei diskret verteilten zusätzlichen Massen durchgeführt hat (Appl. Math. Mech., Leningrad, Moskau, 1 (1933), 13-24; F.~d.~M. 59\(_{\text{II}}\), 1399), auf stetig verteilte, nämlich den, die freien Schwingungen des Systems \(S'\) als erzwungene des Systems \(S\) anzusehen, indem die Wirkung der zusätzlichen Massen durch Kräfte ersetzt wird. Diese Massen sind längs einer Linie (oder Fläche) \(L\) verteilt und sollen konstante Dichte \(\varrho_1\) haben. Das Problem führt auf die Integralgleichung \[ \vartheta(x)=\lambda^2\varrho_1\int\limits_L\omega(x,\xi;\lambda) \vartheta(\xi)\,d\xi, \] durch die die Schwingungen in allen Punkten durch diejenigen in den belasteten Punkten ausgedrückt werden. Ihre Eigenwerte \(\lambda\) ergeben das Frequenzspektrum. Der Kern \(\omega(x,\xi;\lambda)\) stellt die Amplitude der erzwungenen Schwingungen im Punkte \(x\) dar, die durch eine im Punkte \(\xi\) angreifende sinusförmig veränderliche Kraft der Frequenz \(\lambda\) hervorgerufen werden. -- Verf. beweist mit Hilfe der Grundtatsachen der Theorie der linearen Integralgleichungen zweiter Art und einiger spezieller weiterer Sätze über die Eigenschaften der Fredholmschen Determinante additiv zusammengesetzter Kerne folgenden Satz: Ist \(\lambda_1,\lambda_2,\dots\) das Spektrum der Eigenwerte und sind \(C_1\varphi_1(x)\), \(C_2\varphi_2(x)\),\dots die zugehörigen normierten Eigenfunktionen des Systems \(S\) und sind auf der Linie \(L\) die Eigenfunktionen orthogonal zueinander, so werden die Eigenwerte und Eigenfunktionen des Systems \(S'\) bestimmt durch \[ \frac{\lambda_1}{\sqrt{1+\dfrac{\varrho_1}{\varrho}\beta_1C_1^2}},\;\frac{\lambda_2}{\sqrt{1+\dfrac{\varrho_1}{\varrho}\beta_2C_2^2}},\dots, \quad C_1'\varphi_1(x),\;C_2'\varphi_2(x),\dots, \] wo \(\beta_1=\int\limits_L[\varphi_1(x)]^2\,dx\) usw. ist und \(C_1',C_2',\dots\) angebbare bestimmte Konstanten bedeuten. Es handelt sich also um einen quantitativen Ausbau der bekannten Tatsache, daß bei einer Belastung des Systems die Eigenwerte abnehmen; während die Eigenfunktionen im wesentlichen unverändert bleiben. Dieses Ergebnis wird angewendet auf eine rechteckige Membran, die längs mehreren Linien, die zu den Seiten parallel verlaufen, belastet ist. -- Ist die Voraussetzung der Orthogonalität der Eigenfunktionen \(\varphi(x)\) auf \(L\) nicht erfüllt, so muß an ihrer Stelle irgend ein geeignetes auf \(L\) orthogonales Funktionensystem genommen und der Kern \(\omega(x,\xi;\lambda)\) nach diesen Funktionen entwickelt werden. In diesem Fall erscheint die Fredholmsche Determinante des Kernes als unendliches Produkt, dessen Konvergenz im Einzelfall zu beweisen ist und dessen Nullsetzung das gesuchte Frequenzspektrum ergibt. Jedoch führt dieser Weg in seinem letzten Schritt meist auf nur angenähert lösbare transzendente Gleichungen, wie Verf. an Hand mehrerer Beispiele zeigt. Diese betreffen Membranen, die verschiedenen Randbedingungen unterliegen und verschiedenartig belastet sind. -- In einem zweiten Teil berechnet Verf. die Eigenfrequenzen und den Kern der Integralgleichung der Schwingungen einer quadratischen Membran nach der Methode von Rayleigh, d.~h. durch einen Grenzübergang, ausgehend von einem schwingungsfähigen Gebilde, das aus einem quadratischen Netzwerk schwerefreier, vollkommen biegsamer Fäden besteht, das in den Kreuzungspunkten mit Massenpunkten gleicher Masse belegt ist, und verallgemeinert diese Methode auf den Fall mehrerer Dimensionen.
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