Essai sur l'incompréhension mathématique. Avec une préface de G. Bouligand.
Es ist ein origineller Gedanke, den Mangel an Begriffsvermögen für mathematische Fragestellungen und Methoden zum Gegenstand eines Buches zu machen. Verf. hat es verstanden, dieser manchmal auch bei geistig hochstehenden Personen auftretenden Erscheinung in fesselnder Weise nachzuspüren und ihre im Gebiet des Denkens und der Psychologie liegenden Ursachen bloß zu legen. Die Arbeit gliedert sich in zwei Teile und einen Anhang. Im \textit{ersten} Teil handelt es sich um mathematische Unbegreifbarkeiten im Gebiet der reinen Wissenschaft. Die Schwierigkeiten der Axiomatik, der Sprache und Bezeichnung, der Schlußfolgerungen und Beweismethoden werden aufgezeigt und mit Beispielen aus allen Gebieten der Mathematik, vom Elementarsten bis zu den Antinomien der Mengenlehre belegt. Die Rolle der Phantasie und der Intuition beim schöpferischen Mathematiker sowie die Gefahren, die in der Einfachheit eines Ergebnisses und in der Verschiedenheit der Betrachtungsweise (z. B. der Empiristen und der Idealisten) liegen, werden aufgezeigt. In drei besonderen Noten werden einige Beispiele analysiert. Die Schwierigkeiten der Begriffe des Unendlichen und der Stetigkeit werden unter mathematischen und philosophischen (metaphysischen) Gesichtspunkten untersucht, und an einigen elementaren Beispielen wird gezeigt, welche Bedeutung dem Kunstgriff bei der Lösung mathematischer Probleme zukommt. Der \textit{zweite} Teil beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten, die gewisse Anwendungen der Mathematik, besonders die Mechanik, dem Verständnis bereiten können. Auch hier liegen sie teils in den Axiomen, teils in der Sprache und Bezeichnung, teils in der Abstraktion von der Wirklichkeit, die die mathematische Formulierung der Probleme der Naturwissenschaft und Technik meist erfordert. Als Beispiel wird dargetan, welche Modifikationen das Axiom der Anfangsbedingungen in der modernen Quantenmechanik erfahren hat. Im \textit{Anhang} werden einige berühmte Irrtümer aus der Geschichte der Wissenschaft behandelt: Folgen der Schwierigkeiten, die gewisse mathematische Begriffe und Sätze dem Verständnis entgegensetzen, und die erst in langer geschichtlicher Entwicklung überwunden werden konnten. Das Buch verdient die Aufmerksamkeit aller derer, die wissenschaftlich arbeiten oder Mathematik lehren. Verf. kennt nicht nur, wie \textit{G. Bouligand} im Vorwort hervorhebt, die Probleme, die Methode und die Geschichte dieser Wissenschaft, sondern er hat sich auch gründlich mit ihren philosophischen Grundlagen, ihren logischen und erkenntnistheoretischen Problemen und mit den psychologischen und didaktischen Fragen beschäftigt, vor die sich der Lehrer der Mathematik in Schule und Hochschule gestellt sieht.
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