Zur Theorie des Doppelintegrals.
Es handelt sich um die Frage, inwieweit der für eine stetige Function, \(f(x,y)\) gültigen Formel: \[ \int_{x_0}^X\int_{y_0}^Y f(x,y)dxdy\left\{\begin{aligned} &=\int_{x_0}^X dx\int_{y_0}^Y f(x,y)dy\\ &=\int_{y_0}^Y dy\int_{x_0}^X f(x,y)dx\end{aligned}\right. \] eine wohl definirte Bedeutung auch dann noch beigelegt werden kann, wenn \(f(x,y)\) nur denjenigen Beschränkungen unterliegt, welche die Existenz des betreffenden Doppelintegrals nach sich ziehen, und ob diese letztere auch stets für die Gültigkeit jener Formel ausreichend erscheint. Der Verf. giebt eine vereinfachte Darstellung der zur Beantwortung dieser Frage dienenden Betrachtungen. welche gegenüber der von C. Jordan [vgl. F. d. M. 24, 261, 1892, JFM 24.0261.01] gegebenen wesentlich vereinfacht ist. Die Vereinfachungen sind zum Teil erzielt durch die Einführung einer neuen zweckmässigen Bezeichnungsweise für die obere und untere Unbestimmtheitsgrenze einer Zahlenreihe \(a_\nu\) \((\nu=0,1,2,\dots)\) für \(\lim\nu=\infty\), bez. einer Function \(\varphi(x)\) für \(x=x_0\), für welche die Symbole \(\varlimsup\limits_{\nu=\infty}a_\nu\), \(\varliminf\limits_{\nu=infty}a_\nu\), bez. \(\varlimsup\limits_{x=x_0}\varphi(x)\), \(\varliminf\limits_{x=x_0}\varphi(x)\) gebraucht werden. \(\overline{\varliminf\limits_{\nu=\infty}}a_\nu\), bez. \(\overline{\varliminf\limits_{x=x_0}}\varphi(x)\) soll dann bedeuten, dass nach Belieben die obere oder untere Unbestimmtheitsgrenze gewählt werden kann, und \(\overline{\varliminf\limits_{\nu=\infty}}a_\nu=a\) z.B. bedeutet, dass in dem gewöhnlichen Sinne \(\lim\limits_{\nu=\infty}a_\nu=a\) wird. Ein von dem Verf. früher [vgl. F. d. M. 28, 215, 1897, JFM 28.0215.01] aufgestellter Hülfssatz lässt sich dann für seine Verwendung in der vorliegenden Abhandlung sehr knapp formuliren. Nachdem in den folgenden Artikeln die für diese Untersuchung nötigen Definitionen und Sätze aus der Theorie der einfachen Integrale zusammengestellt sind, erfolgt die Definition des Doppelintegrales und die Reduction desselben auf ein iterirtes Integral gemäss der obigen Formel, für welche zwei Beweise --- der eine mit Benutzung des vorhin genannten Hülfssatzes --- zunächst für ein rechteckiges Integrationsgebiet mit zu den Axen parallelen Seiten gegeben werden. Um die Tragweite der obigen Formel zu zeigen, wird dieselbe auf eilte Function angewandt, bei welcher die Integrale \(\int\limits_{y_0}^Y f(x,y)dy\), \(\int\limits_{x_0}^X f(x,y)dx\) für unendlich viele, überall dicht liegende Werte von \(x\), bez. \(y\) nicht existiren. Zum Schlusse wird die obige Formel auf den Fall eines krummlinig begrenzten Integrationsgebietes in sehr einfacher Weise übertragen.
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