Über die Berandung ebener und räumlicher Gebiete. (Primendentheorie). (Q1830640)
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scientific article; zbMATH DE number 2566500
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| English | Über die Berandung ebener und räumlicher Gebiete. (Primendentheorie). |
scientific article; zbMATH DE number 2566500 |
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Über die Berandung ebener und räumlicher Gebiete. (Primendentheorie). (English)
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1930
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Gegenstand der vorliegenden Arbeit, die die Heidelberger Dissertation des Verf. bildet, ist die Übertragung der von \textit{Carathéodory} (Math. Ann. 73 (1913); 305-320, 323-370; F. d. M. 44, 757 (JFM 44.0757.*)-758) für einfach zusammenhängende Gebiete in der Ebene entwickelten Theorie der Primenden auf beliebige (beschränkte) Gebiete in der Ebene und im dreidimensionalen Raum. Zunächst beginnt Verf. in Übereinstimmung mit der \textit{Carathéodory}schen Theorie: Definition von Querschnitten des Gebietes \(\mathfrak G\), die, um ein allzu kompliziertes mengentheoretisches Verhalten auszuschließen, gewissen Regularitätsforderungen unterworfen werden; axiomatische Definition des ``Endes'' durch eine Folge ineinandergeschachtelter Gebiete, die durch Querschnitte (die aber im Gegensatz zu \textit{Carathéodory}s Definition nicht zueinander fremd zu sein brauchen) bestimmt sind, mit den fünf Erklärungen \textit{Carathéodory}s. Ein besonders einfacher Typ von räumlichen Querschnitten sind die, die Verf. als \textit{Carathéodory}sche bezeichnet: Sie sind samt ihrem Rand dem Innern eines Quadrates und seinem Rande homöomorph. Eine Folge von Gebieten, die durch zueinander (mit Einschluß der Ränder) fremde \textit{Carathéodory}sche Querschnitte bestimmt sind, definiert ein sogenanntes \textit{Carathéodory}sches Ende. An einem einfachen Beispiel zeigt Verf., daß man selbst bei Beschränkung auf \textit{Carathéodory}sche Enden keine genaue Übertragung der Theorie von \textit{Carathéodory} auf den Raum zu erwarten hat: Es gibt ein einfach zusammenhängendes Gebiet, von dem gewisse Randpunkte weder in einem unteilbaren Ende noch in einem durch \textit{Carathéodory}sche Enden unteilbaren \textit{Carathéodory}schen Ende enthalten sind. Der Weg, auf dem Verf. zur Definition der Primenden gelangt, erfordert eine sehr eingehende Untersuchung des Verhaltens der gegen den Rand von \(\mathfrak G\) konvergierenden Punktfolgen von \(\mathfrak G\), die hier nur in groben Umrissen wiedergegeben werden kann. Eine Folge von Punkten \(P_n\) (\(n = 1, 2,\ldots\)) von \(\mathfrak G\), die gegen einen Randpunkt \(\xi\) von \(\mathfrak G\) konvergiert, heißt ``wohldefiniert'', wenn sie entweder eine ``\(\alpha\)-Folge'' ist, d. h. beliebig kleine Kugeln mit dem Mittelpunkt \(\xi\) noch je ein zusammenhängendes Teilgebiet von \(\mathfrak G\) bestimmen, in dem fast alle Punkte der Folge enthalten sind, oder eine ``\(\beta\)-Folge'' ist, d. h. eine solche, die keine \(\alpha\)-Folge als Teilfolge enthält. Es wird dann zu einer Menge \(M_f\) von wohldefinierten Folgen die Menge \(L(M_f)\) ihrer ``unbewallten Grenzpunktfolgen'' definiert: Eine nicht zu \(M_f\) gehörende wonldefinierte Folge \(R_n\) (\(R_n\to\eta\)) heißt unbewallte Grenzpunktfolge von \(M_f\), wenn innerhalb beliebig kleiner Kugeln um \(\eta\) fast alle \(R_n\) mit fast allen Punkten je einer Folge von \(M_f\) durch (endliche) Streckenzüge verbunden werden können. Die Mengen \(M^0_f = M_f+ L(M_f)\) spielen im folgenden die Rolle der abgeschlossenen Mengen von wohldefinierten Folgen. Ausgehend von einer wohldefinierten Folge werden nun immer größere Gesamtheiten von wohldefinierten Folgen definiert: (1) Die ``unbewallte \(f\)-Gesamtheit'' \(\mathfrak P_f\) besteht aus allen wohldefinierten Punktfolgen von \(\mathfrak G\), deren Punkte sich mit den Punkten einer festen wohldefinierten Folge \(P_n\) (bei eineindeutiger Zuordnung) paarweise durch (endliche) Streckenzüge \(\mathfrak s_n\) in \(\mathfrak G\) verbinden lassen, wobei das Häufungsgebilde der \(\mathfrak s_n\) aus einem einzigen Punkt, dem Grenzpunkt der \(P_n\), bestehen soll; ein solches \(\mathfrak P_f\) besteht stets entweder nur aus \(\alpha\)- oder nur aus \(\beta\)-Folgen. (2) ``Konjugierte \(f\)-Mengen'' bestehen aus allen wohldefinierten Folgen, deren Punkte mit denen einer festen wohldefinierten Folge \(P_n\) paarweise durch ein System von Streckenzügen \(\mathfrak s_n\) verbunden werden können, das folgenden Bedingungen genügt: Das Häufungsgebilde \(T_{\mathfrak s}\) der \(\mathfrak s_n\) liegt auf dem Rand von \(\mathfrak G\), und die gegen \(T_{\mathfrak s}\) konvergierenden wohldefinierten Folgen der Menge \(\varSigma\mathfrak s_n\) sind entweder sämtlich \(\beta\)-Folgen oder sämtlich \(\alpha\)-Folgen; im letzten Falle bestehe überdies \(T_{\mathfrak s}\) nur aus einem einzigen Punkt. Neben (2) werden auch die abgeschlossenen konjugierten \(f\)-Mengen betrachtet. (3 A) ``Der Komplex erster Ordnung'' \(\varDelta_1\) wird aus einer konjugierten \(f\)-Menge \(\varDelta\) und der Menge \(M(\varDelta)\) aller (paarweise verschiedenen) konjugierten \(f\)-Mengen \(\varDelta'\), die mindestens eine Teilfolge einer Folge von \(\varDelta\) enthalten, gebildet, falls jede abgeschlossene konjugierte \(f\)-Menge \(\varDelta^{\prime0}\), von \(M(\varDelta)\) mit \(\varDelta^0\) einen nicht leeren Durchschnitt besitzt; und zwar ist dann \(\varDelta_1\) die Vereinigungsmenge der abgeschlossenen konjugierten \(f\)-Mengen von \(M(\varDelta)\). -- Für das Folgende sind die in einem \(\varDelta_1\) enthaltenen wohldefinierten Folgen, die ``normierten'' Folgen, besonders wichtig; demgemäß sind auch die abgeschlossenen Komplexe \(\varDelta_1^0\) -- ebenso wie später die abgeschlossenen Komplexe höherer Ordnung -- aus \(\varDelta_1\) nicht durch Hinzufügen aller, sondern nur der normierten unbewallten Grenzpunktfolgen zu bilden. -- Komplexe höherer Ordnung werden durch transfinite Induktion definiert: (3 B) \(\varrho\) sei eine Ordnungszahl mit unmittelbarem Vorgänger, und Komplexe \(\varDelta_\eta\), \(\eta<\varrho\) seien schon definiert. \(M(\varDelta_\eta)\) sei eine mindestens zwei Komplexe enthaltende Gesamtheit von ``in bezug auf \(\varrho\) gesättigten'' Komplexen, d. h. solchen, die in keinem Komplex höherer Ordnung (die aber noch kleiner als \(\varrho\) ist) enthalten sind, mit folgenden Eigenschaften: (a) Wenn ein abgeschlossener in bezug auf \(\varrho\) gesättigter Komplex mit einem abgeschlossenen Komplex von \(M(\varDelta_\eta)\) einen nicht leeren Durchschnitt hat, gehört er zu \(M(\varDelta_\eta)\); (b) keine echte Teilmenge von \(M(\varDelta_\eta)\) besitzt die Eigenschaft (a). Dann verstehe man unter dem Komplex \(\varrho\)-ter Ordnung \(\varDelta_\varrho\) die Vereinigungsmenge der abgeschlossenen \(\varDelta^0_\eta\) von \(M(\varDelta_\eta)\). (3 C) \(\varrho\) sei eine Limeszahl; \(P_n\) sei eine normierte Punktfolge, \(M(\varDelta_\sigma)\), \(1 <\sigma <\varrho\), die Gesamtheit der \(\varDelta_\sigma\) von \(\mathfrak G\), die die Folge \(P_n\) enthalten (\(\varDelta_\sigma\) gleicher Ordnung als voneinander verschieden vorausgesetzt). Ist dann die der Größe nach geordnete Menge der Ordnungszahlen \(\sigma\) der \(\varDelta_\sigma\) mit dem durch \(\varrho\) bestimmten Zahlenabschnitt konfinal, so verstehe man unter \(\varDelta_\varrho\) die Vereinigungsmenge der \(\varDelta_\sigma\). Von den Grundeigenschaften der Komplexe seien folgende genannt: Mit einer Punktfolge \(P_n\) ist auch jede Teilfolge im abgeschlossenen Komplex enthalten. Zwei Komplexe verschiedener Ordnungen größer als Eins sind stets voneinander verschieden. Zwei abgeschlossene Komplexe gleicher Ordnung größer als Eins sind entweder identisch oder zueinander fremd. -Nennt man einen Komplex ``vollkommen gesättigt'', falls er in keinem Komplex höherer Ordnung enthalten ist, so gilt noch: Zwei vollkommen gesättigte Komplexe sind entweder identisch oder zueinander fremd. Die ``normierte \(f\)-Menge'' \(f(E)\) eines Endes \(E\) von \(\mathfrak G\) besteht nun aus allen normierten Folgen, die gegen das Ende \(E\) konvergieren. Verf. definiert: Das Ende \(E\) heißt ein \textit{Primende} von der Ordnung \(\tau\), wenn \(f(E)\) ein vollkommen gesättigter Komplex von der Ordnung \(\tau\) ist. Die höchste als Ordnung eines Primendes von \(\mathfrak G\) auftretende Ordnungszahl oder, falls diese nicht existiert, die kleinste Limeszahl, die die Ordnungen aller Primenden von \(\mathfrak G\) übertrifft, heißt auch die Ordnung von \(\mathfrak G\). Schon in der Ebene gibt es, wie Verf. an Beispielen von (unendlich hoch zusammenhängenden) Gebieten zeigt, Gebiete jeder endlichen Ordnung. Die weiteren Untersuchungen betreffen die Haupteigenschaften der Primenden. Daraus, daß jede gegen einen Randpunkt von \(\mathfrak G\) konvergierende Punktfolge eine normierte Teilfolge enthält, folgt leicht: Zwei Primenden sind entweder identisch und von gleicher Ordnung, oder sie liegen außerhalb voneinander. Ferner ist die ``Hauptbedingung'', daß jede gegen einen Randpunkt konvergierende Punktfolge eine gegen ein Randelement von \(\mathfrak G\) konvergierende Teilfolge enthalte, erfüllt: Jede normierte Teilfolge einer gegen einen Randpunkt konvergierenden Punktfolge konvergiert gegen ein Primende von \(\mathfrak G\). Die Ordnung eines jeden Primendes ist höchstens von der zweiten Zahlklasse, die eines Gebietes also höchstens gleich der Anfangszahl der dritten Zahlklasse. -- Die Primenden sind in einem gewissen Sinne unteilbar. Versteht man nämlich unter einem ``einfachen'' Ende (dazu gehören die \textit{Carathéodory}schen Enden) ein solches, dessen definierende Gebietskette durch eine Kette von (samt ihren Rändern) paarweise fremden Querschnitten bestimmt wird von der Eigenschaft, daß jede auf einem Querschnitt gegen den Rand konvergierende Folge eine auf einem ``Einschnitt'' (d. h. einem einfachen bis auf einen zum Rande gehörigen Endpunkt ganz in \(\mathfrak G\) verlaufenden Bogen) gelegene Teilfolge entfällt, so gilt: Ein Primende besitzt keine einfachen Teiler, gegen die nur ein Teil der Punktfolgen eines abgeschlossenen Komplexes erster oder eines offenen Komplexes zweiter Ordnung konvergiert. -- Schließlich erweist sich die Primendendefinition des Verf. für den Fall einfach zusammenhängender ebener Gebiete als übereinstimmend mit der von \textit{Carathéodory}; und zwar sind Primenden erster, dritter und vierter Art im Sinne \textit{Carathéodory}s stets Primenden erster Ordnung, Primenden zweiter Art stets Primenden zweiter Ordnung, und umgekehrt. Die Unterscheidung zwischen Haupt- und Nebenpunkten läßt sich -- im speziellen Fall mit der von \textit{Carathéodory} gegebenen übereinstimmend -auch hier durchführen: Hauptpunkt eines Primendes heißt ein Punkt, der dem Grenzgebilde einer das Primende bestimmenden Querschnittkette, in dem kein Grenzgebilde einer andern das Primende bestimmenden Querschnittkette als echter Teil enthalten ist, angehört. Naturgemäß gibt es in der allgemeineren Theorie des Verf. mehr Arten von Primenden als in der \textit{Carathéodory}schen: Primenden (1) mit lauter erreichbaren Hauptpunkten ohne Nebenpunkte, (2) mit erreichbaren Hauptpunkten und mit Nebenpunkten, (3) mit lauter unerreichbaren Hauptpunkten, ohne Nebenpunkte, (4) mit lauter unerreichbaren Hauptpunkten und mit Nebenpunkten, (5) mit erreichbaren und unerreichbaren Hauptpunkten, ohne Nebenpunkte, (6) mit erreichbaren und unerreichbaren Hauptpunkten und mit Nebenpunkten. Über die Struktur der sechs Arten von Primenden lassen sich noch genauere Aussagen machen; einige diesbezügliche Fragen sind ungeklärt. Unbeantwortet bleibt die Frage nach der Existenz von Primenden fünfter Art in der Ebene. (V 2.)
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