Über die Entwicklung und das Wesen der mathematischen Forschung. Rektoratsrede, geh. am 16. Nov. 1940 in der Eidgenöss. Techn. Hochschule. (Q2579543)
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scientific article; zbMATH DE number 2502088
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| English | Über die Entwicklung und das Wesen der mathematischen Forschung. Rektoratsrede, geh. am 16. Nov. 1940 in der Eidgenöss. Techn. Hochschule. |
scientific article; zbMATH DE number 2502088 |
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Über die Entwicklung und das Wesen der mathematischen Forschung. Rektoratsrede, geh. am 16. Nov. 1940 in der Eidgenöss. Techn. Hochschule. (English)
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1941
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Verf. sucht auch dem Laien verständlich zu machen, daß die Mathematik kein starres System von einigen Formeln darstellt, sondern daß sie in ständiger lebendiger Entwicklung begriffen ist. Freiheit und Bindung erzeugen auch in ihr charakteristische Spannungen. Sie stellt ein Geistespotential allererster Größe dar. Drei Geistesrichtungen: Astronomie, Philosophie, Physik-Technik haben die Mathematik maßgeblich beeinflußt; sie ist auch heute noch der Gläubiger der übrigen Wissenschaften. Aus vier Epochen mathematischer Geschichte greift Verf. einige bezeichnende Züge heraus. Die Ägypter und vor allem die Babylonier hatten, wie die neuere Forschung, insbesondere Neugebauer, gezeigt hat, nicht nur eine Fülle mathematischer Einzelerkenntnisse, sondern die Babylonier konnten auch schon in erstaunlichem Umfang algebraisch rechnen. Zwei wichtige Errungenschaften der griechischen Mathematik sind die Strenge der Beweisführung und die Entdeckung des Irrationalen. Mittelalter und Renaissance gleichen einer Morgendämmerung der Mathematik. Die Verbindung mit der Malerei (Perspektive) führte zur projektiven Geometrie. Descartes gelang die Verschmelzung von Geometrie und Algebra. Sein Ziel war, eine universelle mathematische Methode zu schaffen. Mit der Differential- und Integralrechnung eröffnet die Mathematik der Neuzeit auch eine neue Periode der exakten Naturwissenschaft, die jetzt erst eigentlich von der Mathematik durchdrungen wird. Bei dem Streit zwischen Mathematikern und Technikern über zu geringes Rechnen müssen beide Parteien zugeben, daß jene Forscher sehr selten sind, die es verstehen, tiefliegende Resultate der Mathematik in souveräner Weise auf technische Probleme anzuwenden. Es folgen Bemerkungen zu dem gegenwärtigen Stand der mathematischen Forschung. Sie zeigt eine starke Spezialisierung, ihre Objekte sind von subtilster Abstraktion. Die unendliche Freiheit der Mathematik infolge ihrer Unabhängigkeit von der Wirklichkeit ist ihre Stärke und zugleich ihre Gefahr. Zusammen mit der Publikationssucht der modernen Zeit fördert sie gelegentlich auch recht wässerige Theorien zutage. Zum Schluß kommt Verf. auf die ethischen Bedingungen der erfolgreichen mathematischen Forschung zu sprechen.
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